You are currently viewing Warum ich gerne ein INFP bin

Warum ich gerne ein INFP bin

Ich mag keine Persönlichkeitstests. Ich finde sie meist oberflächlich und zu allgemein gehalten. Außerdem mag ich es nicht, in Schubladen gesteckt zu werden. Aus irgendeinem Grund habe ich vor einiger Zeit trotzdem den Myers-Briggs-Persönlichkeitstest gemacht. Ob es aus Langeweile oder Neugier war, kann ich nicht sagen. Und siehe da: Das Ergebnis fand ich tatsächlich interessant, und es war für mich eine gute Erklärung, warum ich die Arbeit mit den Methoden aus SANJO so liebe. Trotzdem halte ich es für wichtig, sich klar zu machen, dass kein Mensch auf ein Merkmal oder eine Eigenschaft festgelegt werden kann. Wir sind immer auf der Linie irgendwo ZWISCHEN den Extremen und handeln niemals immer und in jeder Situation gleich. Unser Charakter zeigt lediglich unsere Vorlieben. Und die sind nicht statisch.

Als Kind und Jugendliche habe ich versucht, so zu sein, wie ich dachte, dass ich sein sollte – oder wie ich die Menschen um mich herum wahrgenommen habe. Ich wollte mich ihnen anpassen. Nun ist es ja aber so, dass wir diejenigen, die extrovertiert sind und gerne auf der (Lebens-)-Bühne stehen, eher wahrnehmen. Die, die still sind, sehen wir nicht so schnell. Also dachte ich, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt, wenn ich nicht gerne ständig Party machen und unterwegs sein möchte. Für mich war es schon immer gut, wenn ich Zeit für mich hatte, obwohl ich mich wirklich gerne mit Leuten getroffen und etwas unternommen habe (und das auch heute tue). Nur eben nicht so oft wie andere in meiner Klasse.

Wenn ich aus der Schule kam, habe ich mich meistens erstmal in meinem Zimmer verkrochen, um „runter zu kommen“. Ich habe mich auch manchmal einfach auf den Fußboden gelegt, um mich zu „erden“. Dann habe ich oft Sätze gehört wie „Mach doch mal etwas Sinnvolles.“. Die wurden in bester Absicht gesagt, aber sie stressten mich. Während meine Mutter sehr ordentlich und organisiert war, fiel es mir schwer, Dinge strukturiert anzugehen. Das brachte mir das Label „chaotisch“ und „entscheidungsunfähig“ ein.

Während andere zur Schulzeit schon wussten, was sie werden möchten, war mir das noch nicht einmal klar, als ich Abi gemacht habe.

Ich galt als schüchtern, zu sensibel und nicht entscheidungsfreudig. Ich habe mir beim Malen Geschichten ausgedacht und abends im Bett vor dem Einschlafen wach-geträumt (heisst das so?).

Bei dem Myers-Briggs-Persönlichkeitstest kam dann heraus: Ich bin ein turbulenter Mediator. 😉 In der Erklärung dieses Charakters heisst es: „Menschen vom Persönlichkeitstyp des Mediatoren sind wahre Idealisten. Sie versuchen, selbst bei den schlechtesten Menschen und bei Katastrophen das Gute zu sehen und suchen nach Möglichkeiten, Dinge zum Besseren zu wenden.“. Das bedeutet nicht, dass ich immer gut drauf bin (wirklich nicht …). Aber ich suche nach dem kleinen Stück blauen Himmel, wenn überall Regenwolken sind. Und ich glaube daran, dass in jeder Erfahrung etwas steckt, das uns dabei helfen kann, zu wachsen.

Mein Ergebnis, das sich auch bei Wiederholung des Tests bestätigt hat, ist: INFP. Das steht für INTROVERTIERT, INTUITIV, FÜHLEND und WAHRNEHMEND (Perceiving).

Introvertiert: In der Ruhe liegt die Kraft

Introvertiert bedeutet für viele das Gleiche wie schüchtern. Vermutlich habe ich auch oft einen schüchternen Eindruck gemacht. Vor allem als Kind. Doch eigentlich beobachte ich erstmal gerne, bevor ich mich zeige. Und ich brauche Zeit, um Erlebnisse und Begegnungen zu verarbeiten. Grundsätzlich bin ich gerne mit Leuten zusammen und unternehme etwas oder unterhalte mich. Ich genieße das sehr. Hinterher brauche ich dann aber Zeit für mich, um meine Eindrücke zu sortieren. Das ist wie Aufräumen nach einer Party. Wenn es liegen bleibt, fängt es an zu gammeln und zu stinken und steht im Weg.

Das erklärt auch, warum ich es vorziehe, 1:1 zu arbeiten und nicht als Lehrerin vor einer Klasse zu stehen (was ich tatsächlich einmal vorhatte!). Im direkten Kontakt kann ich mich auf mein Gegenüber voll konzentrieren, mich thematisch und gefühlsmäßig einlassen. Das ist es, was ich liebe: Eine Sache zu vertiefen und darüber auszutauschen, wie man mit verschiedenen Situationen umgeht und dann individuelle Lösungen finden.

Intuitiv: Mein Bauch ist mein bester Freund

Während es für viele hilfreich ist und Sicherheit bietet, einen detaillierten Plan zu haben, habe ich verschiedene Ideen und plane für unterschiedliche Möglichkeiten. Ich liebe die Frage „Was wäre, wenn …“. Als Kind habe ich mich z.B. gefragt, ob meine Wahrnehmung dieselbe ist, wie die aller anderen Menschen. Oder ob beispielsweise Farben von anderen vollkommen anders wahrgenommen werden. Oder ich habe mir vorgestellt, wie Menschen in anderer Umgebung ihr Leben leben und wie ich an ihrer Stelle wohl wäre. Oder wie mein Leben gewesen wäre, wenn ich in einer anderen Zeit gelebt hätte.

Meine Entscheidungen treffe ich gerne aus dem Bauch heraus. Dann habe ich das Gefühl, dass sie mehr mit mir zu tun haben. Ich habe mit intuitiven Entscheidungen sehr gute Erfahrungen gemacht. Oft hat sich hinterher herausgestellt, dass es genau der richtige Weg war, auch wenn ich vorher noch nicht so genau wusste, warum ich mich so und nicht anders entscheide.

Meine Intuition nützt mir bei meiner Arbeit sehr und hilft mir dabei, zu erkennen, was jetzt gerade gebraucht wird. Oft ist es meine Intuition, die mir zeigt, was zu tun ist. Am Anfang hat mich das sehr verunsichert. Ich habe gedacht, ich müsse diese „Gedanken“ ausschalten, um gute Arbeit zu leisten. Inzwischen habe ich gelernt, auf meine Intuition zu achten und ihr zu folgen. Gerade dann höre ich hinterher ganz häufig, dass genau das der Moment war, in dem sich etwas gelöst hat und Entspannung eingesetzt hat.

Es kommt vor, dass ich plötzlich meine, ich sollte z.B. das linke Bein behandeln, auch wenn die Verspannung in der rechten Schulter sitzt. Manchmal stellt sich dann heraus, dass vor Jahren etwas mit dem linken Knie war (ein Unfall, ein Sturz o.a.), was inzwischen schon (fast) vergessen ist. Der Körper vergisst nichts. Und da Muskeln nicht isoliert sind, sondern in Verbindung mit dem ganzen Körper stehen, kommt es vor, dass sich dann die Verspannungen an anderer Stelle lösen.

Fühlend: I feel good today

Auch wenn es mir natürlich sehr wichtig ist, dass das, was ich mache und denke, logisch ist, entscheide ich vor allem gefühlsmäßig. Ich bin eine hochsensible Person und fühle oft, was Menschen um mich herum fühlen. Das heißt, ich musste lernen – und bin weiterhin dabei – mich immer wieder mit mir selbst zu verbinden. Und ich lerne immer mehr, klar zu trennen, was meine eigenen Gefühle sind und was nicht. Ich spüre auch, wenn Spannungen in der Luft liegen. Wenn ich mit mehreren Leuten zusammen bin, nehme ich oft wahr, was ungesagt mitschwingt. Das ist manchmal anstrengend. Ja, und vielleicht auch nicht nur für mich. Wie oft habe ich schon gehört: „Ach komm, stell´dich nicht so an.“, „Das bildest du dir bloß ein.“ oder „Sei nicht so empfindlich.“

Bei meiner Arbeit hilft es mir, mich in andere und in ihre Situation zu versetzen und zu erkennen, was sie noch brauchen, um zu entspannen. Es fällt mir leicht, ihre Verspannungen wahrzunehmen, indem ich mit meiner Hand Kontakt aufnehme. Für einige hört sich das vielleicht spooky an. Es ist so, als wenn ich an einer Tischdecke ziehe, auf der eine Tasse steht. Auch dann merke ich ja die Stelle, an der sie sich befindet, die Größe und das Gewicht dieser Tasse. Genauso fühlt es sich an, wenn ich mit dem Gewebe im Körper Kontakt aufnehme und Verspannungen da sind.

Wahrnehmend: Viele Wege führen nach Rom

Während andere ihre Entscheidungen scheinbar leicht treffen und ihren Weg dann straight gehen, fiel es mir schon immer schwer, mich zu entscheiden. Immer wieder habe ich mich gefragt, wie andere das machen und sie für ihre Entscheidungsfreudigkeit bewundert. Ich mache nicht gerne Pläne, sondern ziehe es vor, direkt auf das zu reagieren, was gerade passiert. Für manche mag das sprunghaft wirken. Mir hilft es, mich nicht zu verzetteln. Denn wenn ich Pläne mache, muss ich sie eh oft wieder ändern, weil etwas dazwischenkommt oder anders läuft, als gedacht. Ich mag es, flexibel reagieren zu können.

Der aus meiner Sicht große Vorteil an diesem schwankenden Charakter ist, dass er nicht verbissen an etwas festhält, weil es eben so ist, sondern schnell auf Veränderungen reagieren kann. Ich habe kein Problem damit, etwas auszuprobieren und dann, wenn ich merke, es funktioniert so nicht, umzuschwenken. Dann sammle ich neue Informationen, wäge ab und wähle neu. Meistens sagt mir mein Bauchgefühl bereits, ob eine Sache es wert ist, dass ich sie weiter verfolge. Fühle ich mich unsicher, informiere ich mich weiter und sammle noch mehr Informationen, bevor ich eine neue Entscheidung treffe.

Wenn ich bei meiner Arbeit merke, dass etwas nicht funktioniert, kann ich sofort einen anderen Weg einschlagen. Es ist gar nicht möglich, vorher zu planen, wie ein Termin ablaufen sollte. Natürlich gibt es immer einen Rahmen, in dem sich alles bewegt. Selbstverständlich muss jede:r, der/die mit diesen Methoden arbeitet, die Theorie dieser Arbeitsweise sicher kennen. Klar! Doch jeder Körper reagiert anders auf die Methoden aus SANJO. Und auch ein- und derselbe Mensch reagiert nicht jeden Tag gleich auf diese Form der Körperarbeit. Bei dieser Arbeit ist es wichtig, Veränderungen zu erkennen und mit ihnen mitzugehen, um keinen Druck zu erzeugen (der zu Gegendruck führt), sondern das anzunehmen, was da ist, so dass Entspannung einsetzen kann. Daher ist es gut, wenn man schnell und flexibel reagieren kann und nicht an einem Plan festhalten muss.

Fazit: Ist das wirklich wahr?

Es liegt wohl in meiner Natur, alles zu hinterfragen. Damit habe ich schon so manchen zur Verzweiflung gebracht 😉 Mir ist es wichtig, Dinge zu verstehen und zu sehen, ob es mit mir und meinem Leben zusammenpasst. Dieses Ergebnis passt zu meinem momentanen Leben sehr gut. Es erklärt, warum die Achtsame Körperarbeit für mich die richtige Wahl ist. Hier kann ich meine Fähigkeiten gut einbringen, so dass ich mich wohlfühle und gleichzeitig andere dabei unterstützen kann, in einen entspannten Zustand zu kommen. Was gibt es Schöneres?

Diesen Persönlichkeitstest finde ich ganz gut, weil er viele verschiedene Bereiche abdeckt und zeigt, dass man sich immer zwischen den extremen Bereichen befinden. (Es werden prozentuale Anteile angezeigt, also z.B. 80% introvertiert / 20% extrovertiert). Das bedeutet, dass niemand immer nur das Eine ist, sondern immer Anteile von beidem in sich hat.

Und da ich immer danach strebe, mich weiterzuentwickeln, sehe ich dieses Ergebnis als mein momentanen Zustand, der sich im Laufe meines Lebens verändern kann.

Schreibe einen Kommentar